06.10.20140

Führen Sie Ihre Agentur vorbildlich

In der “ZEIT” stand neulich ein Artikel über die Veränderung im Führungsverhalten von Vorgesetzten. Tenor: Die alten Grundsätze und vor allem die alten Hierarchien taugen nicht mehr. So sehen das sogar Führungskräfte selbst. Es stimmt ja auch: Moderne Organisationen arbeiten kooperativ, nicht in starren Mustern, intuitiv und flexibel.  Zu dieser zukunftsorientierten Denkhaltung passt eine eher traditionelle Grundhaltung sehr gut: Die Vorbildfunktion von Chefs.

Wir beraten vor allem mittelständische und Inhaber geführte Werbeagenturen. Sehr oft geht es dabei um die Verbesserung der Abläufe und Prozess, um mehr Verbindlichkeit und Transparenz ins Geschehen zu bringen. Zu Beginn der Zusammenarbeit wird von den Verantwortlichen eine große Veränderungsbereitschaft signalisiert – soweit es um die Mitarbeiter geht. Im Laufe des Prozesses stellt sich dann aber häufig heraus, dass nicht allein die Angestellten Teil des Problems sind, sondern vor allem die Geschäftsführung. Und die ist weit weniger veränderungswillig. Wie kommt das?

Agenturprozesse bilden sich  - speziell in kleinen Organisationen – eher beiläufig und oft improvisiert. Wächst die Agentur, steigt in diesen Systemen die Fehlerhäufigkeit. So wächst der Wunsch nach Struktur und verlässlichen Abläufen. Bei aller Intuition und Flexibilität lassen sich aber verbindliche Prozesse nicht ohne ebenso verbindliche Regeln und sauber definierte Prozessschritte erreichen. In diesen eher kleinen Agenturen sind die Chefs sehr oft ein wesentlicher Teil des operativen Tuns. Das heißt, viele kundenrelevante Arbeiten werden direkt von der Geschäftsführung bearbeitet. Das ist gut für die Wertschöpfung und sorgt außerdem für die Nähe der Vorgesetzten zum Tagesgeschehen. Weniger gut ist die Tatsache, dass es gerade die Chefs sind, die sich dann im Prozess nicht an die Regeln und Strukturen halten. Frei nach dem Motto. “Ich habe hier das Sagen und was die Mitarbeiter tun müssen, muss ich noch lange nicht tun.”

Beispiele gefällig? Das pünktliche Erscheinen zum Termin. Das führen des Arbeitszeitkontos. Das Verfassen von Protokollen. Die rechtzeitige Information über Veränderungen innerhalb eines Projektes. Das Einhalten von Prozessschritten. Und so weiter, und so weiter…  Chefs sind in Agenturen häufig keine Vorbilder. Die Orientierung fällt den Mitarbeitern damit schwerer. Das Korrigieren von Fehlern wird zum Tagesgeschäft und die notwendige Energie für die Entwicklung und das Wachstum der Agentur geht verloren. Diese pessimistische Betrachtung basiert nicht allein auf unseren “Eindrücken”. Es sind handfeste Aussagen, die wir von Angestellten der Agenturen im Vieraugen-Gespräch erfahren.  Blöd, wenn die Mitarbeiter wollen, aber die Chefs als Bremser fungieren, oder? Liegt es an alten Hierarchie-Vorstellungen? Oder weil man nie gelernt hat, sich an Prozesse zu halten? Oder liegt es schlicht an der Trägheit der Verantwortlichen?

Beobachten Sie als Agentur-Boss doch einmal an sich selbst, wie sie innerhalb eines Projektes als Team-Mitarbeiter oder -Mitarbeiterin agieren.  Gelten die Regeln für Sie  wie sie für alle gelten? Was wir aus der Praxis in der Arbeit mit Agenturen mit Sicherheit sagen können, ist das:  Wer in allen Arbeitsbereichen als Vorbild dient und trotzdem als Vorgesetzter führt, muss sich um Anerkennung, Motivation und Arbeitsklima keine Sorgen machen.